Netzhaut

Die Netzhaut, medizinisch auch Retina genannt, ist die lichtempfindliche Schicht des Auges und verfügt über etwa 130 Millionen Sinneszellen. Eine Erkrankung oder Verletzung der sensiblen Netzhaut beeinträchtigt das Sehvermögen häufig enorm.

Da Netzhauterkrankungen in der Regel schmerzfrei verlaufen, werden sie von Betroffenen oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium wahrgenommen. Umso wichtiger sind daher regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und eine gründliche Diagnostik.

Diabetische Retinopathie

Kontinuierliche augenärztliche Kontrollen der Netzhaut sind insbesondere für Menschen ratsam, die an Diabetes mellitus leiden. Aufgrund eines erhöhten Blutzuckerspiegels können zum Beispiel Gefäßwände in der Netzhaut geschädigt werden und es können Einblutungen, Durchblutungsstörungen oder Gefäßverschlüsse auftreten. Die Stoffwechselkrankheit diabetische Retinopathie kann unbehandelt zu erheblichen Sehbeeinträchtigungen führen. Die Netzhauterkrankung tritt in einer nicht-proliferativen, also nicht wuchernden Form und einer proliferativen Variante auf, bei der es zu krankhaften Gefäßneubildungen kommt.

Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)

Eine sehr häufige Erkrankung der Netzhaut ist die Makuladegeneration, die meistens ab dem 60. Lebensjahr auftritt. Betroffen ist die Netzhautmitte, an diesem Ort des schärfsten Sehens („gelber Fleck“) direkt neben dem Sehnerv sterben einzelne Zellen ab. In der Folge geht die zentrale Sehschärfe verloren, was insbesondere Auswirkungen auf die Lesefähigkeit hat. Ursache der AMD sind Stoffwechselstörungen: Abfallprodukte werden nicht mehr richtig entsorgt und lagern sich unter der Netzhaut ab.

Die Makuladegeneration tritt in zwei Verlaufsformen auf: als trockene und feuchte AMD. Bei der trockenen Form, an der etwa 85 Prozent aller Erkrankten leiden, verringert sich die Sehschärfe sehr langsam in Laufe von vielen Jahren. Eine medizinische Therapie für die trockene AMD gibt es bislang nicht, es wird aber empfohlen, bestimmte Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, die den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können. Die feuchte AMD kommt wesentlich seltener vor und geht mit einem rasch fortschreitenden Sehverlust einher. Grund dafür sind undichte oder neu gebildete Gefäße in und unter der Netzhaut, die zu Flüssigkeitsansammlungen führen und die Netzhaut aufblähen. Durch hochmoderne Diagnostik wie die Optische Kohärenztomografie (OCT) oder die Fluoreszenzangiographie kann heute eine exakte Diagnose gestellt und frühzeitig eine Therapie eingeleitet werden.

Intravitreale operative Medikamenteneingabe (IVOM)

Standardtherapie der AMD, aber auch der diabetischen Retinopathie, ist die intravitreale operative Medikamenteneingabe (IVOM). Bei dieser innovativen, erst seit wenigen Jahren etablierten Behandlungsmethode werden unter sterilen Bedingungen Medikamente direkt in den Glaskörper des Auges injiziert. In der Regel müssen die Injektionen mehrmals im Abstand von vier Wochen wiederholt werden, um eine Wirkung zu erzielen und zu erhalten. Die IVOM wird ambulant in örtlicher Betäubung in unserem zertifizierten Augen-OP durchgeführt und belastet die Patienten kaum. Es gibt zwei verschiedene Verfahrensweisen der IVOM:

Injektion von Antikörpern

Die intravitreale Injektion von monoklonalen Antikörpern oder Antikörperfragmenten, sogenannten Anti-VEGF-Faktoren, stellt heute das Standardverfahren zur Behandlung der feuchten Makuladegeneration dar. Die Medikamente bremsen den Wachstumsfaktor VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) aus, der dafür verantwortlich ist, dass sich im Auge neue krankhafte Blutgefäße bilden, die zu Blutungen und Schwellungen und damit zur Beeinträchtigung des Sehens führen. Gerade Frühformen der feuchten AMD lassen sich hiermit besonders erfolgreich therapieren. Es gibt mehrere verschiedene Präparate, die nach ausführlicher Untersuchung und Beratung verwendet werden.

Injektion von Dexamethason

Bei dieser Verfahrensweise wird vom Augenarzt ein Medikament aus der Gruppe der Corticoide in den Glaskörperraum injiziert. Angewandt wird sie insbesondere bei Schwellungen der Makula, zum Beispiel bei Diabetes, nach venösen Verschlüssen sowie Entzündungen im Augeninneren.

Die Wirkung von Dexamethason beruht auf seinen gefäßabdichtenden Eigenschaften.